Magazin / Blubbern hinter Glas: Wie die Unterwasserwelt in die Automatenvitrine einzog
Blubbern hinter Glas: Wie die Unterwasserwelt in die Automatenvitrine einzog
Ein neuer Tauchgang auf der Walze
Warum Blasen, Riffe und Tiefsee gerade Konjunktur haben
Ein neues Online-Release mit dem Titel Bubble Up sorgt dieser Tage für Gesprächsstoff, weil es komplett unter Wasser spielt: Luftblasen steigen über das Bildschirmbild auf, Korallen leuchten in Neonfarben, und zwischen Riffen und versunkenen Truhen tummeln sich stilisierte Fische. Uns interessiert dabei weniger die Mechanik als die Bildwelt, denn die Tiefsee als Kulisse für ein Glücksspielmotiv ist keineswegs neu, sondern reicht deutlich weiter zurück als jedes Bildschirmspiel.
Schon in den sechziger und siebziger Jahren war das Meer ein beliebtes Sujet für alles, was nach Abenteuer und verborgenem Reichtum klang. Jacques Cousteaus Fernsehdokumentationen brachten die Tiefsee ins Wohnzimmer, und Karnevalsbuden wie Jahrmarktstände griffen die Faszination sofort auf. Wer auf einen Perlentaucher oder eine Meerjungfrau setzte, verband instinktiv Wasser mit Schatz, und genau dieses Gefühl wirkt bis heute in jedem neuen Unterwasser-Slot nach.
Auffällig ist außerdem, wie sehr die aufsteigenden Blasen im aktuellen Release an ältere mechanische Effekte erinnern. Jukeboxen der vierziger und fünfziger Jahre besaßen häufig gebogene Röhren, in denen farbige Flüssigkeit blubberte, um Kundschaft optisch anzulocken. Dieses Bubble-Tube-Prinzip war reine Show ohne technischen Nutzen, funktionierte aber genau wie heute die digitale Animation: Bewegung und Farbe binden den Blick, lange bevor überhaupt gespielt wird.
Auch auf den bemalten Frontscheiben klassischer Automaten aus jener Zeit tauchten Wellen, Schiffe und Schatztruhen auf, oft kombiniert mit goldenen Münzen oder funkelnden Edelsteinen. Die Botschaft war überall dieselbe: Unter der Oberfläche wartet etwas Verborgenes darauf, gehoben zu werden. Genau dieses Bild aus Wasser, Dunkelheit und plötzlichem Glanz taucht nun, sechzig Jahre später, in nahezu identischer Form auf jedem Bildschirm wieder auf.
Vom Bullauge zur Vitrine unter Glas
Was das Unterwassermotiv mit klassischen Gehäusen verbindet
Wer sich mit den Gehäusen jener Jahrzehnte beschäftigt, stößt schnell auf ein zweites, sehr konkretes Bindeglied zur Unterwasserwelt: die gewölbte Glaskuppel, die bei vielen frühen Automaten das Zählwerk oder den oberen Mechanismus schützte. Diese Kuppeln erinnern in Form und Wirkung stark an ein Bullauge oder an die kleinen Sichtfenster alter Tauchhelme, durch die man wie durch eine Luke auf das Innenleben der Maschine blickt.
Sammlerinnen und Sammler legen bis heute großen Wert darauf, dass diese gewölbten Scheiben original und unversehrt bleiben, weil gerade sie dem Gehäuse seinen charakteristischen Glanz verleihen. Manche Werkstätten bemalten die Unterseite der Kuppel zusätzlich mit feinen Wellenlinien oder Sternenmustern, sodass das Licht beim Spielbetrieb changierte, ganz ähnlich wie es die changierenden Farbverläufe im neuen Bildschirmspiel heute digital nachbilden.
In unserer eigenen Sammlung stehen etliche Gehäuse, deren Bildsprache in dieselbe Richtung wie das aktuelle Wasserthema weist, allen voran ein Automat mit Piratenmotiv, dessen Frontscheibe Segelschiff und Schatzkiste zeigt. Wer beim Stöbern durch unser Sortiment ein Faible für maritime Motive entdeckt, findet dort ein anschauliches Beispiel dafür, wie viel Handwerk und Bildkunst schon in den Fünfzigern in ein einziges Gehäuse floss.
Die Restaurierung solcher Glaskuppeln zählt zu den anspruchsvolleren Aufgaben im Werkstattalltag. Passgenaues, leicht gewölbtes Glas ist selten in Originalstärke erhältlich, und die aufgemalte Unterseite verträgt weder aggressive Reiniger noch unvorsichtiges Polieren. Wer hier ansetzt, arbeitet lieber mit weichen Tüchern und viel Geduld, denn ein einmal abgeriebenes Wellenmuster lässt sich kaum je wieder originalgetreu herstellen.
Bemerkenswert bleibt, wie beständig dieser Bilderkreislauf funktioniert. Digitale Studios greifen für ihre Themenwelten unbewusst auf denselben Fundus zurück, den schon Werkstätten vor siebzig Jahren bedienten, ob es nun um Wasser, Dschungel oder ferne Galaxien geht. Für uns ist jedes neue Release deshalb weniger ein Ereignis der Gegenwart als eine Erinnerung daran, wie lange dieselben Bilder Menschen schon in ihren Bann ziehen.
Wer neugierig geworden ist, darf sich das gern selbst ansehen: Die polierten Glaskuppeln, die noch immer klackernden Zählwerke und die handgemalten Wellenmuster warten in unseren Räumen darauf, aus der Nähe betrachtet zu werden. Vielleicht steht ja irgendwann ein Gehäuse mit Tiefseemotiv aus den Sechzigern direkt neben der jüngsten digitalen Welle, ganz so, als hätten sich beide schon immer gekannt.
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